Zwischenstopp in Interlaken – ein Haufen Käse (Teil achtundfünfzig)
Suzy Size flieht die gay Szene: Enttäuschungen im schwulen Thailand führten zu einer grossen gay Europareise
Von Suzy Size, zu Hause im stock-schwulen Pattaya (Sündenpfuhl der Welt), live aus dem schwulen Zürich, Schweiz
Suzy Size zieht es zu den Bergstämmen. Sie hat im Hotel Derby in Interlaken (Details entnehme Mann wie immer den Pink Pages auf Sticky Rice Gay Guide World) ein Zimmer reserviert. Das ist ein sehr Schwulen freundliches Hotel. Als sie ankommt, erhält sie vom Besitzer Jürg Boss die Schlüssel, Karten, Broschüren und die Besucherkarte, mit der sie in Interlaken die Busse gratis fahren kann, ohne Eintritte ins Casino oder ins Bödelibad kommt, das ein Wellness und Fitnessbad ist.
Im intimen Hotel Derby haben sie nur 15 Zimmer, es ist zu Fuss von den beiden Bahnhöfen Interlaken Ost und West bequem zu erreichen. Alle Zimmer verfügen über WC, Dusche, Eisschrank, Fernseher, Wecker und Föhn. Für Suzy und ihre Freunde liegt auch die neuste Ausgabe des Schweizer Schwulenmagazins Kontakt auf, sehr aufmerksam. Interlaken ist nicht wegen des schwulen Nachtlebens bekannt, sondern wegen seines hübschen Stadtkerns und wegen der einmaligen Lage zwischen zwei Seen inmitten von einem fantastischen Alpenpanorama. Viele Asiaten kommen jedes Jahr hierher; Kirchhofer, der führende Uhrenhändler, beschäftigt Personal aus Japan, China und Thailand.
Suzy trifft hier mehrere Freunde, die sie in Thailand kennen gelernt hat. Christian hat auf der Schweizer Botschaft in Bangkok gearbeitet. Er ist mit seinem Thai Partner Khun Sarn in Interlaken, den er im September heiraten wird. Und dann gibt es in Interlaken auch die Schärs, ein nettes pensioniertes Ehepaar, das den Sommer hier verbringt und den Rest der Zeit in Thailand. Andreas war Direktor in der Ovomaltine Fabrik in Bangkok, das ist – ohne Käse - die grösste Ovomaltinefabrik der Welt. Wusstet ihr das schon?
Wir fahren mit dem Auto hinauf in die Berge und besuchen entfernte Verwandte der Schärs, die auf einer Alp als Sennen arbeiten. Sie hüten 28 Kühe, melken sie am Morgen und am Abend, produzieren aus der Frischmilch Alpkäse, Butter und Ziger. Das ist eine harte und entbehrungsreiche Arbeit, aber das alte Paar ist so offensichtlich im Reinen mit sich selber und der Natur, dass es nicht nur zufrieden, sondern glücklich wirkt. Die beiden kommen im Frühling auf die Alp und kehren im Herbst ins Tal zurück, der Sohn hat den Hof übernommen. Es sind ungefähr 220 Liter Milch im Kupfertopf, dem Chessi, durch ein Holzfeuer wird die Milch aufgeheizt. Der Käser und seine Frau arbeiten unter primitiven Bedingungen, es gibt hier keinen Strom, nur eine Solarzelle und ein Generator liefert für kurze Zeit den Strom für die Milchmelkmaschine und das Rührwerk bei der Käseproduktion. 10 Liter Milch ergeben etwa ein Kilo Bergkäse. Der Prozess dauert lange und danach müssen die rund 200 Laibe, die die zwei pro Jahr produzieren, gesalzen und Monate lang in Käsekellern gelagert werden. Suzy ist zwar begeistert von ihrem Besuch in den Alpen, aber das Heimweh nach Thailand wird jetzt immer stärker. Noch drei Tage in Europa.