Ein Lob der Deutschen Eiche: Vom schwulen Pattaya nach München (Teil vier)
Suzy Size flieht die gay Szene: Enttäuschungen im schwulen Thailand führen zu einer grossen gay Europareise
Von Suzy Size, zu Hause im stock-schwulen Pattaya (Sündenpfuhl der Welt), macht sie demnächst das schwule Europa unsicher
Suzy Size ist ganz sicher: Als sie am Münchner Flughafen von Carla del Ponte so durchdringend angeschaut wurde, hatte sie ihr fesches, aber etwas lächerliches Hütchen aus Bali noch. Doch bei der Ankunft in der Deutschen Eiche war es spurlos verschwunden, ein modernes Stadträtsel. In dieser so eleganten Stadt hätte der Strohhut Suzy Size einen Hauch von Truman Capote, einen Hauch von Verworfenheit geben sollen, doch nun war diese beabsichtigte Wirkung futsch. Gewissermassen nackt (und verwirrt) stand Suzy also am Empfang der Deutschen Eiche, die seit Jahren eine Institution im schwulen München ist, und die ausgesprochene Freundlichkeit des Empfangs liess sie ihren Verlust rasch verschmerzen.
Noch von Pattaya aus hat Suzy Size (sie hatte damals schon Zugang zu den Pink Pages Deutschland auf Sticky Rice Gay Guide Asien und Welt, die heute ja allgemein zugänglich sind) sich über die schwule Hotelszene in München informiert. Suzy war früher schon in München gewesen, lang ist es her, als sie noch jung, zart und rosa war, fast wie ein Spanferkel vor dem Rösten. Suzy hatte die Deutsche Eiche von damals noch als gutes Restaurant in Erinnerung, wusste aber nicht mehr, dass dieses angesehene Haus auch ein schwules Hotel war und dass sich unter dem gleichen Dach auch die gleichnamige Schwulensauna befindet, die bis 7 Uhr morgens geöffnet hat: wie praktisch!
Im Nu klickte sie sich von Pattaya aus über die Pink Pages von Sticky Rice Gay Guide auf die Webseite der Deutschen Eiche durch und machte die entsprechende Reservierung, die ihr von dieser schwulen Münchner Institution in kürzester Zeit bestätigt wurde. Das Internet ist einfach eine ganz phantastische Sache.
Und nun der Realitätstest, eins zu eins: Suzy Size stand ja jetzt persönlich am Empfang dieses bekannten Münchner Schwulenhotels und fragte sich bang: Wird die Deutsche Eiche auch halten, was sie am Internetauftritt verspricht?
Null Komma Null Problem. Das Zimmer für 70 Euro war klein, aber fein, ausgesprochen sauber und der in keiner Weise überrissene Preis schloss das üppige Frühstück mit diversen Wurstwaren ein. Man könnte hier jeder Zeit völlig unbehelligt Leute anschleppen. Auch das WIFI funktionierte tadellos und Suzy Size – begeistert von dieser bislang von ihr noch nie benützten Technik - schrieb Punya, dem Besitzer des schwulen Sansuk Pattaya Gasthaus und der gleichnamigen Schwulensauna sofort eine Mail, worin sie diesem angenehmen schwulen Thai riet, WIFI sofort auch in seinem Hotel zu installieren. Er hat den guten Rat unserer Heldin übrigens umgehend befolgt und so hat die beispielhafte Deutsche Eiche zu München gewissermassen Sansuk in Pattaya befruchtet. WIFI ist heutzutage gewissermassen Menschenrecht.
Als erste schwule Amtshandlung in München (nach dem Einchecken ins Hotel) genehmigte sich Suzy Size ein Weissbier im Strassencafe der Deutschen Eiche. „Hier ist man Mensch, hier kann man sein“, dachte Suzy Size dort als an ihr die Münchner Schwulenwelt vorbeizog, fast eine ähnliche Perspektive wie von ihre Stammplatz im Panorama zu Pattaya, nur viel urbaner natürlich in diesem prachtvollen München. „Das Leben ist schön, gut, dass wir noch nicht gestorben sind.“, dacht unsere Heldin weiter.
Plötzlich ging ein hübscher junger Thai vorbei und trat in die Deutsche Eiche. Suzy Size erfuhr später, dass es sich dabei um „Andy“, den Küchenhelfer in der Deutschen Eiche handelte. „Aha, hier trifft offenbar West auf Ost und umgekehrt. Ein gigantisches 69 oder so.