Gibt es ein schwules Lyon? – Bee, Baby, Bee (Teil zweiundreissig)
Suzy Size flieht die gay Szene: Enttäuschungen im schwulen Thailand führten zu einer grossen gay Europareise
Von Suzy Size, zu Hause im stock-schwulen Pattaya (Sündenpfuhl der Welt), live aus Frankreich
Suzy Size hat Khun Bee, einem schwulen Freund aus Nong Khai, lange vor der Ankunft unserer heldenhaften Queen in Lyon eine E-Mail geschrieben, aber nie eine Antwort bekommen. Deshalb hatte sie jetzt keine Adresse oder Telefonnummer von Bee und konnte sich auch nicht mehr an den Namen des Hotels erinnern, wo Bee in Lyon arbeitet. Vielleicht würde Suzy beim Stadtwandern und Flanieren Bee ja zufällig begegnen, aber die Chance lag natürlich nahe bei Null. Eine weitere, sehr unwahrscheinliche Möglichkeit war, in Yves, den ehemaligen Besitzer des schwulen Telephon Pub und heutigen Eigner des Central Restaurants in Vientiane, Laos, hineinzulaufen. Yves kommt ja aus Lyon, und es ist nicht völlig auszuschliessen, dass er gerade im Urlaub hier ist, wahrscheinlich grummelt er auch in Lyon den ganzen Tag, genau wie in Vientiane oder Bangkok.
In Europa mit dem Zug zu reisen, ist einfach, wenn man, wie Suzy Size, mit leichtem Gepäck reist. Sie hat alle ihre Fummel – es sind Tausende – in ihrer Villa Castelgandolfo in Pattaya gelassen. Da sie nur eine Nacht in Lyon blieb, checkte unsere Heldin kurzerhand ins erstbeste Hotel am Bahnhof ein. „Eine Nacht in Lyon wird schon reichen“, dachte Suzy, „denn die Stadt ist ja nicht gerade wegen ihrer Schwulenszene bekannt.“ Wer sich dafür interessiert konsultiere wie immer die Pink Pages des Sticky Rice Gay Guide World. Es findet sich unter Lyon übrigens kein schwules Hotel, was für eine Stadt dieser Grösse nun doch erstaunlich ist. (Inzwischen haben wir das Hotel du Tourisme gelistet.)
Es ist nicht besonders schwer, sich in Lyon zurecht zu finden. Vorbei an modernen Markthallen, die nach Paul Bocuse, dem berühmten Koch, benannt sind, zieht Suzy Size unaufhaltsam weiter ins historische Zentrum der Stadt. Die Bettler von Lyon sind extrem freundlich, ihr Verkaufstrick besteht darin, jeden, der vorbei läuft, zu grüssen: „Bonjour“. So fällt es dem Passanten schwer, den Bettler auszublenden. Ein ganz geschickter lobte den neuen Panama eurer Heldin und bekam prompt eine weitere 10 Baht Münze, die so leicht mit 2 Euros zu verwechseln sind. Überall in Lyon werden Fahrräder vermietet. Sie werden an einem massiven Metallständer angeschlossen, mit einer Magnetkarte schliessen die Mieter sie auf, fahren damit herum, so lange sie wollen und schliessen sie dann wieder an einem örtlichen Ständer an, wenn sie an ihrem Ziel angekommen sind. Eine Art Fahrrad-Kommunismus. Suzy liebt das Flanieren, schon hat sie die Rhone überquert und befindet sich im schmucken Zentrum der Stadt, das zwischen den zwei Flüssen angelegt wurde.
Die Schwulenszene ist mehr oder weniger klar um die Place des Terreaux versammelt. Zum Beispiel die Querelle Bar, die vom Namen her an den bekannten Schwulen- oder Matrosenroman von Jean Genet erinnert, nicht weit davon Le Trou (das Loch), das ist ein Cruising Sexklub. Suzy, die hier am späteren Nachmittag anlangt entscheidet sich indessen für die Doubleside Sauna, die eine Fläche von fast 500 Quadratmetern umfasst. Um es sehr kurz zu machen: Es gab da leider keine Stricher und Suzy Size fand niemanden, dem sie gerne eins geblasen hätte, noch sich hätte eins blasen lassen. Glücklicherweise ist sie im Doubleside nicht in Yves hineingelaufen. Unglücklicherweise aber auch nicht in Bee, der etwa zehn Tage später eine E-mail mit seiner Telefonnummer schickte.