Von Avignon nach Cotignac – eine erste Fahrt auf dem TGV (Teil achtundzwanzig)
Suzy Size flieht die gay Szene: Enttäuschungen im schwulen Thailand führten zu einer grossen gay Europareise
Von Suzy Size, zu Hause im stock-schwulen Pattaya (Sündenpfuhl der Welt), live aus Frankreich
Suzy Size, die alte Tunte, will noch ihren guten Freund Peter und seine Frau Mazal in Cotignac besuchen, ein eben ausrangierter NZZ Journalist, mit dem Suzy vor Jahren in Südostasien viel herumgereist ist. Cotignac findet sich übrigens nicht auf den Pink Pages von Sticky Rice Gay Guide World. Warum? Es hat nicht die geringste Schwulenszene. So, wie um Himmels Willen kommt man nach Cotignac? Peter hat ein gewisses Draguignon als Zielbahnhof genannt, e-Mail gibt es ja auch hier. Und so führt die allererste Fahrt Suzy Size im sagenhaften TGV von Avignon nach Draguignon. Das ist eine hoch kultivierte Fortbewegungsart. Man muss seinen Platz fest reserviert haben, Wagen 5, Platz 63. Auf einem Bildschirm erfährt man, in welchem Sektor dieser Wagen halten wird. Das Gepäck, so die Durchsage, muss mit Namen und Vornamen angeschrieben sein, obligatorisch. Viele chinesische Touristen hier. Und dann beschleunigt dieser TGV, man hebt gewissermassen ab vom Boden, schwebt. Viele haben Laptops mit dabei, carpe diem. Auf meinem MP3 Player höre ich: „Summertime, when the living is easy.“ Da vermisst man Pattaya (und die Bahtbusse) nun wirklich nicht.
Die Fahrt geht wie im Flug, im Nu ist eure Heldin dort angekommen und wird von Peter und seiner Frau Mazal abgeholt. Sie verbringen ihre Sommer hier und die Winter in Südafrika oder auch Thailand. Auf Umwegen fahren sie eure Suzy nach Cotignac durch diverse unglaublich hübsche Dörfer, grössere, kleinere, mit wahnsinnigen Plätzen und dichten, dicken Platanen, die viel, viel Schatten spenden. Es ist traumhaft schön hier. Auch in Cotignac, wo sie vor vielen Jahren ein Haus gekauft haben. Tonneweise Ausländer haben sich hier in Cotignac (wie überall in Südfrankreich) nieder gelassen, die Preise für Immobilien sind explodiert. Wer denkt, die Immobilienpreise in Pattaya seine mittlerweile viel zu hoch, dem empfiehlt Suzy eine Reise nach
Südfrankreich. Ein Hauptgrund dafür ist natürlich der TGV, die Leute aus Paris, der Schweiz und Italien sind sehr rasch hier an Ort und Stelle. (Und in Pattaya entfaltet eben der neue Flughafen eine solche Wirkung.) Peter, der Schlingel, hat eure Suzy Size mit Leffe angefixt, das ist ein ganz hervorragendes Bier aus Belgien, das auf dem mit Platanen übersäten Hauptplatz von Cotignac im Offenausschank zu haben ist. Das Essen hier ist günstig und gut. Die haben hier in Cotignac zwei Alibi-Schwule, ein englisches Paar, das Antiquitäten verkauft. Nette Jungs, von allen akzeptiert, aber, als Engländer, natürlich etwas bieder. Doch eure Suzy hielte es hier langfristig doch nicht aus: Keine Schwulenbars, keine Go-Gos, keine Sansuk Sauna und kein schwuler Jomtien Strand, mit seinen vielen lieben Beach Boys, die ja immer für ein Quicky zu haben sind. Unser Lotterstädtchen hat eben auch Vorteile, das vergisst, wer Pattaya zu lange nicht mehr verlassen hat.